Neues Jahr, neue Arzneipflanze. 2015 wurde das Johanniskraut dazu gekürt. Grund genug, ihr den ersten Blog des Ganzheitlichen Therapiezentrums zu widmen. In der Vergangenheit habe ich zwar schon mehrere Blogs zu dieser wunderschön gelb blühenden Pflanze und ihren Heilwirkungen geschrieben, aber eine Wiederholung sollte bei dem Anlaß ja nicht schaden.

Johanniskraut (Hypericum perforatum L-) – die Pflanze

Es gibt verschiedene Arten von Johanniskraut. Die weit verbreiteste ist in unseren Landen das Gemeine oder Tüpfeljohanniskraut. Es ist eine buschige Staude, die an sonnenreichen Orten wächst. Fünf kleine gelbe Blütenblätter zieren sie, welche – gegen’s Licht gehalten – kleine schwarze Punkte aufweisen. Sie sehen aus wie durchlöchert- eben perforiert- daher der lateinische Name. Dieses sind Drüsen, welche besonders viel ätherische Öle und Harz enthalten.
Das Johanniskraut wurde nach dem Gedenktag „Johanni“, Johannes des Täufers,  dem 24. Juni benannt, da um diesen Zeitpunkt seine Hauptblütezeit beginnt. Nahe diesem Tag wird auch die Sommersonnenwende gefeiert. Es ist die hellste Zeit des Jahres – zu diesem Zeitpunkt geerntet, haben die Blüten also enorm viel Sonnenlicht aufgenommen. Eine Begründung für mich, warum Johanniskraut gerade gegen Winterdepressionen eingesetzt werden sollte. Zumal die Lichtempfindlichkeit der Haut nachweislich erhört wird und so von einer übermäßigen Einnahme im Sommer abzuraten ist, beziehungsweise auf ausreichend Schutz geachtet werden sollte.

Johanniskraut bei Depressionen

DepressionNach derzeitigem Stand gilt, dass Johanniskraut offenbar in zwei wichtige biochemische Mechanismen aktiv eingreift, die als relevant für die antidepressive Wirksamkeit erkannt wurden, nämlich die Hemmung der Aufnahme der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin. Besonders bei leichten bis mittelschweren Depressionen hat sich Johanniskraut ebenso wie die synthetischen Antidepressiva bewährt, jedoch ohne die gängigen Nebenwirkungen. Johnanniskraut hat eine stimmungsaufhellende Wirkung, die bei regelmäßiger Einnahme und entsprechender Dosierung nach frühestens 1 Woche, meist jedoch nach 2-3 Wochen einsetzt. Begleitende psychotherapeutische Maßnahmen sollten auf jeden Fall in Anspruch genommen werden, um eine langfristige Verbesserung herbeizuführen.

Bei der Winter – oder saisonalen Depression hilft neben der Einnahme von Johanniskraut ein mindestens einstündiger täglicher Spaziergang als begleitende Lichttherapie.

Johanniskraut in der Schmerztherapie

Nicht nur der Nervenschmerz im psychischen Sinne sondern auch der rein körperliche ist mit Johanniskraut gut behandelbar. Im Handel als Rotöl erhältlich, wird der rote, ölige Auszug der Blüten bei der Massage oder als Einreibung verwendet – sei es bei einem Hexenschuß, einem eingeklemmten Nerven im Schulter-Arm-Bereich, einem Zwischenrippenschmerz  (Intercostalneuralgie) oder auch bei der Gürtelrose (Herpes zoster). Ein alkoholischer Auszug ist immer gut in der Hausapotheke – überall dort, wo nicht verletzte Haut aber ein Nervenschmerz vorliegt: klassischerweise nach eingeklemmten Finger in der Tür oder einer kleinen Brandverletzung – schnell eintauchen!  Hier können Sie lesen, wie Sie sich dieses Öl (Achtung: nicht so lange haltbar) oder eine Tinktur auch leicht selbst herstellen können.

Wir freuen uns auf viel Sonne in unserer schönen Stadt!

Dörte Schönfeld & Tatjana Graf-Külper